Ganz persönliche Worte von und für Heinrich Böckelühr

Ganz persönliche Worte von und für Heinrich Böckelühr

Schwerte – Jede Menge Wertschätzung hat Heinrich Böckelühr am Mittwoch in der Ratssitzung von den einzelnen Fraktionen erhalten. So durfte Böckelühr freundliche Worte, Blumen und ein Tröpfchen entgegen nehmen. Denn es war am Mittwoch seine letzte Ratssitzung, in Kürze wird er nicht mehr Schwertes Bürgermeister sondern Präsident der Gemeindeprüfungsanstalt NRW sein.

Die Sprecherin der Grünen Andrea Hosang, sprach von einer “enormen Leistung”, die Böckelühr in seiner Amtszeit erbracht hat.

„Herr Bürgermeister Böckelühr war für uns ein weitgehend umgänglicher Bürgermeister war, der an keiner Stelle versucht hat, uns zu diskreditieren oder abschätzend darzustellen, sagte Fraktionschef Dieter Reichwald in seiner Haushaltsrede. „Ganz im Gegenteil haben wir erkennen können, dass er unsere politische Auffassung, die wir hier im Rat der Stadt Schwerte in den vergangenen Jahren offenkundig gemacht haben, sehr wohl zu respektieren wusste und hat dafür, dass ist sicherlich bei uns im Gedächtnis geblieben, sogar anerkennende Worte gefunden.“

Lesen Sie am Ende dieser Seite, gerne auch unseren Kommentar.

Heinrich Böckelühr hat in der Ratssitzung eine Rede gehalten, die wir gerne zitieren möchten:

Meine Damen und Herren, ich hatte ja angekündigt, dass ich zum Ende der öffentlichen Sitzung nochmal das Wort ergreifen möchte, auch hinsichtlich der freundlichen Worte die von den Sprechern der Fraktionen im Rahmen der Haushaltsplanberatung gerade abgegeben wurden und möchte zusam­menfassend sagen: „Also erstens ich bedanke mich für die freundlichen Worte und Sie haben nichts falsches gesagt“.

Am 1. Oktober 1999, das war ein Freitag, ich kann mich noch sehr gut erinnern, zu Beginn der Wahlperiode, wurde ich hier vorne an der Seite als Bürgermeister der Stadt Schwerte vereidigt. Wir hatten 1999 einen sehr fairen Wahlkampf miteinander, dass die Zeichen so auf Veränderungen standen, dass konnte man im Wahlkampf eigentlich auch so erstmal nicht merken, aber es war dann hinterher so, dass ich zum Bürgermeister gewählt wurde. Das ich jetzt am Ende 18 Jahre vier Mal als Bürgermeister dieser Stadt von der Bevölkerung gewählt wurde, hatte ich mir zum damaligen Zeit­punkt, als ich das erste Mal gewählt wurde, so auch nicht gedacht.

Einige hatten gehofft, das würde nur für eine Wahlperiode reichen, dass es jetzt vier Wahlperioden geworden sind – jetzt nicht bis zum Ende – aber vier Mal gewählt zu werden und davon dreimal im ersten Wahlgang mit mehr als der Hälfte der abgegebenen Wählerstimmen, macht mich auch ein bisschen Stolz. Deswegen ist es schon ein komisches Gefühl, dann jetzt hier und heute die letzte Ratssitzung als Bürgermeister zu leiten. Für mich gehen aber nicht nur 18 Jahre als Bürgermeister zu Ende und heute ist die 118. Sitzung die ich als Bürgermeister leite. Für mich geht aber mehr zu Ende als nur 18 Jahre Bürgermeister. Ich war davor Ratsmitglied seit Mai 1988.

Ich bin in der dritten Wahlperiode des Rates, wir sind jetzt in der neunten Wahlperiode des Rates, in in den Rat nachgerückt. 1984 erstmalig kandidiert, 1988 dann nachgerückt so dass ich nun auf fast 30 Jahre Mitgliedschaft im Rat der Stadt Schwerte zurückblicken kann. Das ist schon eine gewaltige Zeit und wenn man dann noch meine vorherige politische Tätigkeit vor Ausübung eines Mandates mit dazurechnet, ich hab 1976 im Dezember angefangen mich politisch zu interessieren, sind das 40 Jahre die ich jetzt kommunalpolitisch hier in Schwerte gewirkt habe und das hinterlässt Spuren, bei allen.

Bei denjenigen denen ich auf den Schlips getreten bin, denen ich auch mal ein unfreundliches Wort gegönnt habe, möchte ich mich an der Stelle nochmals ausdrücklich entschuldigen, aber das gehört dann auch zur Debatte dazu und außerdem kämpfen wir hier immer um die Interessen der Stadt. Jeder an seiner Seite und wenn wir vorhin eigentlich die wichtigste Entscheidung getroffen haben, nämlich den Haushalt, also den Handlungsrahmen für das, was wir uns gemeinschaftlich vorstellen, macht es mich schon ein bisschen Stolz, dass wir auch in einer schwierigen Situation trotzdem in der Lage sind, diesen Haushalt einstimmig zu beschließen und ich danke ausdrücklich auch den Kollegin­nen und Kollegen aller Fraktionen dafür, dass sie sich der Mühe unterzogen haben, in den Sommerfe­rien beginnend die Haushaltsplanberatung zu beginnen. Das ist auch nicht selbstverständlich für ehrenamtliche Mandatsträger.

In der letzten Sitzung des Rechnungsprüfungsausschusses, als wir uns mit dem Jahresabschluss 2016 beschäftigt haben, hat der Leiter des Rechnungsprüfungsamtes des Kreises Unna, den Mitgliedern des Rechnungsprüfungsausschusses gesagt, man könne als Politik sehr stolz sein auf eine sehr engagierte und kompetente Mitarbeiterschaft innerhalb des Rathauses. Und genau das ist es, wo ich heute sage bei all dem Streit, den wir miteinander haben, da ist eine richtig hochkompetente Mannschaft innerhalb der Verwaltung und ich bin sehr sehr stolz auf die Menschen hier in dieser Verwaltung, die sich für diese Stadt einsetzen und eben nicht nur ihren Job machen. Und wenn uns jemand von außen, nämlich der Leiter des Rechnungsprüfungsamtes Kreis Unna, bescheinigt, dass das hier eine richtig gute Mann­schaft ist, dann können auch Sie darauf stolz sein, weil wir sind zusammen kommunale Selbstverwal­tung sind.

Und deswegen und dass liegt mir hier am Herzen ihnen noch einmal zu sagen: auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verwaltung verdienen Respekt. Respekt im Umgang und Respekt zu dem, was wir als Produkt liefern, damit sie sachgerechte Entscheidungen treffen können. Und ich finde und das sei mir an dieser Stelle erlaubt, manchmal geht der Respekt an dieser Stelle verloren und das tut auch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Verwaltung weh, wenn sie eben nicht respektvoll behandelt werden.

Schwerte ist meine Heimat und es wird auch immer meine Heimat bleiben. Das Amt des Bürgermeisters habe ich mit Leidenschaft gemacht, deswegen ist es schwierig, jetzt etwas anderes zu tun, aber eine Stadt ist nie fertig, wir müssen uns immer wieder neu darüber Gedan­ken machen wie wir werden besser, was wir verändern können. Und diesen Auftrag haben Sie bis 2020. Der neue Bürgermeister oder die neue Bürgermeisterin die im Frühjahr 2018 gewählt wird, hat den Auftrag dann erstmal bis 2025, bis zur übernächsten Kommunalwahl.

Aber eins verspreche ich ihnen, in die kommunalpolitischen Entscheidungen der Stadt Schwerte werde ich mich in der Zukunft nicht einmischen. Aber es gibt neben Schwerte noch 395 andere interessante Kommunen mit denen man sich beschäfti­gen kann. Ich freue mich auf meinen ersten Besuch in unserer Nachbarstadt. Wenn wir dann da mal unterwegs sind, da freu ich mich drauf und wir können Erkenntnisgewinne miteinander austauschen, dass macht mir Spaß.

Es gibt den bekannten Bibelvers: „Suchet der Stadt bestes“. Davon sollten Sie sich alle leiten lassen und möge der oder die Beste nach einem fairen Wahlkampf, wie ich hoffe, dann anschließend dann auch den Platz hier oben einnehmen. In der Zwischenzeit wird Klaus-Jürgen Paul die Ratssitzung als ehrenamtlicher Stellvertretender leiten. Ansonsten ist Hans-Georg Winkler als mein allgemeiner Vertreter Chef im Rathaus. Damit ist die klassische alte Doppelspitze zumindest für eine Übergangszeit wieder hergestellt.

Ich wünsche Ihnen alles gut und wir sehen uns bestimmt an irgendeiner Stelle. Herzlichen Dank für das Vertrauen, das Sie mir in den letzten 18 Jahre geschenkt haben. Dankeschön.


Kommentar

Lukas Pohland schreibt hier zu:

Lukas Pohland – Foto: Stefanie Lategahn

Heinrich Böckelühr, ja ich durfte ihn natürlich auch kennenlernen. Heinrich, war ein Bürgermeister mit Leib und Seele. Er hat für seinen Job gebrannt. Obwohl Job eigentlich die falsche Bezeichnung ist, es war für ihn eine Berufung, 365 Tage im Jahr Bürgermeister von der Hansestadt an der Ruhr zu sein. Und er hat definitiv Recht, wenn er sagt, dass es ein komisches Gefühl sei, sich als Bürgermeister zu verabschieden. Wir, und da darf ich für die ganze MeinSchwerte-Redaktion “schreiben” wünschen ihm für sein persönliches und berufliches Leben großen Erfolg und viel Glück.

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