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„Starke Frauen für Schwerte“ fordern Schutz für Frauen und Mädchen in Afghanistan

„Starke Frauen für Schwerte“ fordern Schutz für Frauen und Mädchen in Afghanistan

Schwerte. In einem offenen Brief an die Bundesregierung fordert die Frauengruppe „Starke Frauen für Schwerte“ dringend Schutz für Frauen und Mädchen in Afghanistan. „Seit einigen Wochen blicken wir alle mit tiefer Bedrückung, Besorgnis und großer Angst auf die Lage in Afghanistan“, schreiben die Frauen Esma Sahin, Serin Kabani, Martina Först-Schlüter und Gudrun Körber.

Nachfolgend veröffentlichen wir den Brief im Wortlaut: 

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin Merkel,
sehr geehrter Herr Vizekanzler Scholz,
sehr geehrte Frau Bundesministerin Kramp-Karrenbauer, sehr geehrte Frau Bundesministerin Lambrecht,
sehr geehrter Herr Bundesminister Maas,
sehr geehrter Herr Bundesminister Müller,
sehr geehrter Herr Bundesminister Seehofer,

wir, die Frauengruppe „Starke Frauen für Schwerte“ setzen sich zusammen aus zugewanderten und deutschen Frauen, die am 13. September 2020 in den Integrationsrat der Stadt Schwerte gewählt worden sind.

Seit einigen Wochen blicken wir alle mit tiefer Bedrückung, Besorgnis und großer Angst auf die Lage in Afghanistan.
Viele Frauen, die sich dort für Frauenrechte, Freiheit und Demokratie eingesetzt haben, wie Lehrerinnen, Richterinnen, Journalistinnen, Künstlerinnen, alleinerziehende Frauen mit ihren Kindern und besonders junge Mädchen sind in Lebensgefahr.

Afghanische Frauenorganisationen berichten davon, wie sich die Menschen in Afghanistan von Deutschland, den westlichen Streitkräften und der afghanischen Regierung im Stich gelassen fühlen.
Sie haben viele Jahre für die Freiheit und das Mitbestimmungsrecht von Frauen gekämpft und dürfen unter keinen Umständen vergessen werden!

Darüber hinaus haben sie sich viele Jahre vor Ort unter erschwerten Bedingungen für die Rechte und Bildung von Mädchen und Frauen eingesetzt.
Sie werden nun bedroht und sind der Willkür der Taliban ausgesetzt und dürfen der Folter und Ermordung durch die Taliban nicht schutzlos ausgeliefert werden!

Die Lage in Afghanistan ist dramatisch und verschärft sich täglich. Durch die Machtübernahme der Taliban sind besonders Frauen und Mädchen in großer Gefahr. Es ist bekannt, dass die Taliban Listen abarbeiten und bereits Hinrichtungen vollzogen haben.

Aus unserem Umfeld in Schwerte kennen wir Afghan*innen, die hier leben und die nun um die Sicherheit ihrer Familienangehörigen sehr besorgt sind und auch um ihre eigenen Ausweisungen fürchten.

Wir fordern daher eine vorläufige Aufenthaltsbestätigung für die in unserem Land befindlichen Afghan*innen. Das schafft Vertrauen in unser System und bietet Schutz für Leib und Seele der Betroffenen.

Darüber hinaus fordern wir die Erteilung humanitärer Visa für die Familienangehörigen von den in Deutschland lebenden afghanischen Staatsangehörigen.

Viele Frauen der Gruppe „Starke Frauen für Schwerte“ haben selbst lebensbedrohliche Notlagen erlebt, in der sich nun Afghan*innen befinden.

Wir fordern daher von unserer Regierung Unterstützung jeglicher Art bereitzustellen, sich für diese Frauen und Mädchen einzusetzen, die sich seit Jahren für eine gleichberechtigte und sichere Gesellschaft in Afghanistan eingesetzt haben und das für diese Mädchen und Frauen unbürokratische Fluchtwege aus dem Land geschaffen werden.

Wir fordern Sie ebenfalls dazu auf, jeder Frau und jedem Mädchen nach Artikel 60 der Istanbul-Konvention ein geschlechtsspezifisches Asyl in Deutschland zu gewähren.

Keine Frau, kein Mädchen darf vergessen werden!

Mit hoffungsvollen Grüßen

Esma Sahin
Serin Kabani
Martina Först-Schlüter Gudrun Körber

Die Frauengruppe „Starke Frauen für Schwerte“

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