Interview: Marc Seelbach (SPD) möchte in den Rat

Interview: Marc Seelbach (SPD) möchte in den Rat

Marc Seelbach tritt für die SPD als Ratskandidat an. Wir haben mit ihm gesprochen. Foto: Lukas Pohland

Schwerte. Vor der bevorstehenden Kommunalwahl (13. September) führt MeinSchwerte Interviews mit Ratskandidaten. Dabei sollen möglichst politisch weniger bekannte Kandidaten zu Wort kommen, die eventuell auch erst zum ersten Mal für den Rat kandidieren. Heute ist Marc Seelbach von der SPD an der Reihe. Er kandidiert im Bezirk 7060 (Mitte 2).

Herr Seelbach, wer sind Sie?

Marc Seelbach, Jahrgang 79, also 40 Jahre alt, verheiratet, zwei Kinder. Die sind, neun und sieben Jahre, gehen beide zur Heideschule. Eine Tochter kommt jetzt aufs FBG. Ich bin gebürtiger Schwerter, hier groß geworden. In Villigst und in Holzen. Hab dann am RTG Abi gemacht, im Marienkrankenhaus Zivildienst und bin dann zum Studieren nach Dortmund in die große Welt.

Ich habe Raum- und Stadtplanung studiert, hatte auch Auslandsaufenthalte in Chile, Südamerika und in Liverpool, aber vorrangig habe ich in in Dortmund studiert. Ich habe dann bei zwei Wirtschaftsförderungen gearbeitet, drei Jahre bei der Wirtschaftsförderung Solingen. Das war der erste Job nach der Uni. Ich sag immer der perfekte erst Job, weil ich einen Chef hatte, der sofort gesagt hat: „spring ins kalte Wasser, übernimm Verantwortung. Wenn Fehler passieren wir stehen gemeinsam auf.“

Dann bin ich aufgrund der Entfernung zur WFG Kreis Unna gewechselt. Auch dort habe ich mich weitergebildet. Nach sieben sieben Jahren in Unna bin ich dann zur Ruhr-Uni-Bochum gewechselt. Da bin ich jetzt etwas mehr als drei Jahre und bin dort aktuell Abteilungsleiter für Transfer und Entrepreneurship in der Hochschulleitung.

Ganz schön schwierige Begriffe.

Ja. Erkläre ich kurz: Eine Hochschule an sich hat per Gesetz drei Aufgaben: Forschung, Lehre und Transfer.

Forschung ist glaube ich klar. Lehre auch. Transfer heißt eben Forschungserkenntnisse in Richtung Gesellschaft und Wirtschaft zu transferieren. Und Entrepreneurship innovative Geschäftsmodelle und Unternehmertum: das ist so ein Thema, was man verstärkt in die Universität einbeziehen möchte und dass Studierende mehr unternehmerisches Know How, unternehmerische Denke, auch mit auf den Weg kriegen. Aber nicht ausschließlich. Jemand der Germanistik studieren möchte soll das auch tun, aber jeder soll sich vielleicht einmal im Leben mit der Idee einer Existenzgründung befassen. Das steckt so ein bisschen dahinter. Wir bauen u.a Kooperationsprojekte zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft auf, betreiben einen Makerspace und sind an der Entwicklung der alten Opel-Fläche beteiligt. Das ist schon ein vielfältiges Aufgabengebiet.

In Ihrer Familie war es ja schon etwas Besonderes, dass Sie Abitur gemacht haben.

Ja. Mutter Altenpflegerin, Tante Altenpflegerin, Vater lange Zeit hier auf dem Stellwerk bei der deutschen Bahn. Großvater väterlicherseits auch Eisenbahner, der andere Großvater Fleischer. Also das ist so der Background. Ich war der erste in der Familie, der Abitur gemacht hat.

Rückblickend sehe ich das alle jetzt ein bisschen anders. Damals in der fünften, sechsten Klasse habe ich das einfach gar nicht so reflektiert. Aber ich kam in die fünfte Klasse und ich hab noch Donald Duck Comics gelesen und andere konnten zwei Musikinstrumente spielen und haben ihre Reclam Heftchen Zuhause gehabt.

Ich habe mich da auch auf dem Gymnasium damals schwer getan und die sechste Klasse wiederholt. Im Endeffekt so ging’s dann ab der neunten, zehnten Klasse gut los. Also, ich war nie wirklich schlecht, aber bis man dann so angekommen ist im Schulsystem und dann ging’s wirklich sehr steil bergauf, auch notenmäßig.  Und das spar ich mir jetzt, aber es ist ganz gut ausgegangen am Ende des Tages und das das prägt einen natürlich.

Wie lange sind Sie schon in der SPD?

Ich bin tatsächlich schon 1999 in die Partei eingetreten.

Warum?

Damals war ich 19 oder 20. Das war die Abiturphase, als Gerhard Schröder damals Kanzler geworden ist, da bin ich mit einigen Gleichgesinnten damals in die SPD eingetreten. Groß engagiert habe ich mich damals aber nicht, als junger Mensch war das damals schwierig.

Und warum jetzt wieder die SPD?

Der Bürgermeister ist schuld. Meine älteste Tochter wurde vor vier Jahren eingeschult an der Heideschule. Damals waren 40 Kinder stadtweit ohne OGS-Platz. Wir haben auch keinen OGS-Platz bekommen und das hätte uns beruflch schon vor enorme Herausforderungen gestellt,, weil wir keine andere Betreuungsmöglichkeiten hatten.

An der Heideschule waren das über 20 Familien, stadtweit rund 40. Und da hab ich mich, mit Mitstreiterinnen eingebracht. Wir haben eine Infoveranstaltung gemacht, haben Druck auf Politik gemacht, haben einen Bundestagsabgeordneten eingeladen. Innerhalb der Verwaltung ist zwei Jahre nichts passiert. Und in dem Fall war es dann auch die SPD, die da wirklich sehr rührig war. Die wirklich rausgekommen ist, sich informiert hat.

In der Zeit hab ich dann den jetzigen Bürgermeister kennengelernt, weil wir den natürlich angesprochen haben auch und er hat da seine Chance genutzt und sich da auch zum Thema Schule gut positioniert. Auch nach der Wahl. Bundesweit glaube ich, dass die SPD, bei aller auch angebrachten Kritik, die Partei ist, die es am ehesten versteht, wirtschaftlich stark, sozial gerecht und ökologisch verantwortungsvoll zu handeln.

Wahlkampf ist in diesem Jahr wahrscheinlich auch etwas Besonderes, oder?

Ja. Das haben sich, glaube ich, alle ein bisschen anders vorgestellt, speziell auch die alten Hasen bei uns. Die sagen: das ist schon ein anderer Wahlkampf als noch 2014. Social Media spielt natürlich auch eine ganz andere Rolle. So wie ich das sehe, tun sich da alle Parteien relativ schwer.

Normalerweise wollen die Leute Werbung in den Facebook-Gruppen nicht, das ist auch absolut zu respektieren. Aber es ist für uns mittlerweile die einzige Möglichkeit, um überhaupt Öffentlichkeit zu erzeugen. Deswegen sind wir auch dankbar, dass es auch Online-Portale gibt. Da entwickeln sich aber auch schnell gefährliche Blasen und Echokammern, daher ist bei allen Vorteilen bei der Meinungsbildung auch immer Vorsicht im Social-Media Bereich geboten.

Gut funktioniert aber auch der Haustür-Wahlkampf. Auch wenn es beim ersten Mal eine gewisse Hemmschwelle gibt. Ich habe rund 1.000 Haustürbesuche in meinem Wahlkreis gemacht und habe dort absolut Rückenwind erfahren.

Was wird sich ändern, wenn Sie in den Rat gewählt werden?

Im Wahlkampf wollen Parteien – meine eingeschlossen – immer Unterschiede deutlich machen. Wenn man sich allerdings die letzten Ratsbeschlüsse anguckt, sind sich zu etwa 90 Prozent alle Parteien bei diversesten Themen einig und arbeiten gut zusammen

Deswegen: im Wahlkampf pickt man sich immer die wenigen Themen raus, die besser laufen müssen, aber ich bin der Meinung, die Demokratie hier in Schwerte funktioniert ganz gut. Viele Themen werden vernünftig von allen Parteien bearbeitet. Also ich habe jetzt gar nicht so diese negative Weltsicht hier speziell aus Schwerte. Corona- und konjunkturbedingt stehen wir vor enormen Herausforderungen. Digitalisierung in der Wirtschafts- und Arbeitswelt, klimagerechter Stadtumbau, die kommunalen Finanzen, um nur einige Punkte zu nennen. Wenn wir das anpacken wollen, benötigen wir mehr Schaltschlüssel und weniger aufgerissene Gräben.

Ich finde die Themen Innenstadt/Fußgängerzone und Wirtschaft und damit verbunden Arbeit und Ausbildung sehr wichtig. Deshalb haben wir, ergänzend zu unserem Wahlprogramm, auch einen 8-Punkte-Plan „Wirtschaft und Arbeit“ aufgestellt.

Warum sollte man Sie wählen?

Herz und Verstand. Ich bringe fachlich einiges im Bereich Stadtplanung und Wirtschaft mit. Einerseits aufgrund meines Studiums und meines beruflichen Hintergrundes. Zudem engagiere ich mich seit vier Jahren in der Elternschaft der Heideschule, bin Schulpflegschaftsvorsitzender. Vorher drei Jahre Elternarbeit im Kindergarten.

Ich neige nicht zu extrem Ausbrüchen, sondern arbeite in der Regel sachorientiert. Ich bin waschechter Schwerter, viele kennen mich. Beim VfL Schwerte und VfB Westhofen habe ich lange Fußball gespielt.

Muss man die Jugend stärker einbinden?

Natürlich. Es muss bei Parteien aber auch möglich sein, projektbezogen mitzuwirken. Die langfristige Bindung an eine Organisation passt nicht mehr wirklich zum Lebensgefühl vieler junger Menschen. Kinder oder Jugendliche, Schüler, haben eben selten eine Lobby.und sind demografisch gesehen in der Minderheit. Das sieht man ja auch an der aktuellen Schulpolitik in NRW. Um die Kinder wurde sich zuletzt gekümmert. Selbst beim Profifußball wurden Konzepte erarbeitet

Das Interview führte Lukas Pohland. 

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