Mordprozess gegen Michael S. vor dem Landgericht hat begonnen

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Michael S. (hinter dem Briefumschlag) mit seinem Verteidiger Martin Düerkop (Iserlohn). Foto: Lukas Pohland

Schwerte/Hagen – Vor dem Landgericht Hagen hat der Mordprozess gegen Michael S. (50) begonnen. Er soll die 72-jährige Anne K. in ihrer Wohnung ermordet haben. Der Hauptvorwurf der Staatsanwaltschaft: Er habe viermal auf das Opfer eingestochen und sie anschließend erwürgt. 

Ist er der böse Junge? Oder doch der liebe Mitbürger? Schwer zu sagen, denn der 50-Jährige zeigte keinerlei Emotionen in der Auftaktverhandlung am Donnerstag. Weder er noch sein Verteidiger Martin Düerkop (Iserlohn) hatten großen Gesprächsbedarf. Der Angeklagte wollte schweigen. Fest steht: Er ist vorbestrafter Mörder. Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft sind eindeutig: Zunächst soll S. der 72-Jährigen in ihrem Ergster Einfamilienhaus ins Gesicht geschlagen haben. Anschließend habe er viermal mit einem Messer auf die ehemalige Immobilienmaklerin eingestochen, so Staatsanwalt Michael Burggräf (Hagen). Danach habe er sie erwürgt. Anschließend habe er noch einen Diebstahl begangen und versucht das Haus in Brand zu setzen.

In der Nachbarschaft der getöteten Anne K. war Michael S. bekannt: “Ich kannte den Angeklagten vom Sehen. Zuletzt habe ich ihn im Sommer oder Frühjahr 2018 in der Nähe unseres Hauses gesehen”, berichtete eine Nachbarin (42) des Opfers, die zugleich eine gute Freundin von Anne K. war. Sie beschreibt ihre Ex-Nachbarin als saubere und gepflegte Frau.

Freunde wollen Zeichen setzen

Der Verstorbenen ein Gesicht geben: Freunde haben T-Shirts bedruckt. Foto: Lukas Pohland

Freunde von Anne K. wollten auch dem Opfer ein Gesicht geben. Sie trugen T-Shirts mit einem Foto des Opfers als Aufdruck. “Nachdem ihr Lebenspartner vor zwei Jahren verstorben war, hat sie nun – vor kurzer Zeit – endlich wieder Spaß am Leben gehabt”, erklärten die Freunde im Gespräch mit unserer Redaktion unisono. Die Freunde des Opfers hoffen auf Sicherheitsverwahrung des Täters, denn die Tat stünde für sich.

Nachdem Nachbarn damals einen ausgelösten Rauchmelder hörten, hatten sie die Feuerwehr kontaktiert. Ein Nachbar wollte seine Tochter eigentlich nur zur Haltestelle begleiten: “Da habe ich diesen Piepton gehört. Die Haustür war nur angelehnt. Ich bin zu meiner Frau gerannt und habe schnell die Feuerwehr gerufen.” Die Feuerwehr entdeckte den leblosen Körper der Seniorin. Einen Brand gab es allerdings nicht mehr zu löschen. Brandsachverständiger Matthias Diehl: “Das Feuer hat maximal 20 Minuten gebrannt.” Ein Brand durch einen technischen Defekt könne er ausschließen.

Bilder abgenommen

Es sieht so aus als hätte der mutmaßliche Täter nach einem Tresor gesucht. “Die Bilder wurden von der Wand abgenommen. Scheinbar noch vor dem Brand”, berichtete eine Polizeibeamtin der Polizeiwache Schwerte. Ein Kollege und sie waren damals als erstes vor Ort. Ganz schnell habe man aber das zuständige Kriminalkommissariat kontaktiert.

Der 50-jährige Michael S. hat offenbar Drogen konsumiert. Sachverständiger Dr. Ronald Agius hat festgestellt, dass der Angeklagte Cannabis und Amphetamine vor der Festnahme konsumiert hatte. Amphetamine wohl auch häufiger oder regelmäßig. Man könne allerdings keine Rückschlüsse ziehen, ob der vorbestrafte Mörder auch in der Tatnacht unter Einfluss von Betäubungsmitteln stand. Grundsätzlich können Amphetamine aber langfristig auch eine höhere Gewaltbereitschaft auslösen, so der Sachverständige.

Der Prozess vor dem Landgericht Hagen geht am 19. Juli weiter.

So haben wir vorab berichtet:

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