Nicole Schelter und ihre Forderung an die Ministerien

Nicole Schelter im Gespräch mit unserer Redaktion. - Foto: Pia Golland

Schwerte – Nicole Schelter ist Unternehmerin aus Schwerte. Vor einigen Jahren wurde sie vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie als Vorbildunternehmerin in der Initiative „Frauen unternehmen“ ausgezeichnet. Gemeinsam mit ihrer Berliner Kollegin Eva-Catrin Reinhardt hat sie jetzt eine Petition gefordert. In der fordern die beiden Vorbildunternehmerinnen mehr Frauen in Führungsebenen. Wo? In den Bundesministerien!

Warum haben Sie diese Petition gestartet?

Ich finde es generell ungerecht, dass Frauen permanent bei allem unberechtigt benachteiligt werden. Außerdem fühle ich mich nochmal ganz besonders motiviert, da in diesem Bundeswirtschaftsministerium, Frauen einzubringen, weil der vorherige Bundeswirtschaftsminister (Anm. d. Red.: Sigmar Gabriel) zur Vorbildunternehmerin gemacht hat. Er nämlich der Überzeugung, dass Vorbilder wichtig dafür sind um andere Frauen zu motivieren, in die Selbstständigkeit zu gehen. Diese Vorbilder, die das Ministerium selbst erkannt hat, werden allerdings nicht dafür genutzt Frauen in die Führungsmannschaft zu holen. Vorher war ja außerdem auch Horst Seehofer in der Presse – in seiner Führungsebene sind auch nur Männer tätig. Bei Andreas Scheuer im Verkehrsministerium ist das genauso. Ich war der Meinung, dass man da endlich etwas tun muss und nicht nur quatschen sollte.

Was fordern Sie da genau?

Meine Hauptforderung ist, dass Frauen bei allen zukünftigen Besetzungen immer berücksichtigt werden. Meinetwegen auch mit einer Quote. Da werden einige zwar dagegen halten und sagen, dass die Qualifikation zählt. Da denke ich aber, dass die Qualifikation definitiv vorhanden ist. Ich habe mir die ganzen Mitarbeiter vom Wirtschaftsministerium mal angesehen. Da ist z.B. ein Rechtsanwalt dabei, der hat studiert und hat seine Kanzlei gehabt. Sonst hat er – wie es da stand – nichts. Da hätte ich z.B. deutlich mehr zu bieten. Also kann es nicht alleine an der Qualifikation gelegen haben. Wenn er wirklich keine Frauen gefunden hat – was ich ja nicht glaube – dann soll er doch Eva-Catrin Reinhardt und mich nehmen. Es ist auch dumm auf unsere Kompetenzen nicht zurückzugreifen. Wir waren beide alleinerziehend und haben während dieser Zeit ein Unternehmen aufgebaut. Er muss ja nicht unbedingt uns nehmen. Ich betrachte mich eher als “Notlösung” – eigentlich bin ich ja ganz glücklich hier in Schwerte. Aber wenn er wirklich keine findet, würde ich das Angebot natürlich annehmen. Dann kann ich ja kein Rückzieher mehr machen, aber ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass es passiert. *lacht*

Warum müssen mehr Frauen in die Ministerien?

Das ist eigentlich alles statistisch belegt: Wenn Frauen im Vorstand oder in Aufsichtsräten vertreten sind – eine Frau reicht da schon, zwei wäre bezüglich Durchsetzungsstärke natürlich besser – diese Unternehmen statistisch und nachweislich erfolgreicher sind. Und mir kann keiner erzählen, dass das im Bundeswirtschaftsministerium nicht genauso geht. Wenn Frauen dabei sind, wäre sicher auch das Ministerium erfolgreicher. Viele Unternehmen nutzen das Diversity-Konzept. Ich verstehe nicht warum die Ministerien da so zurückhaltend sind und dieses Potenzial nicht nutzen. Das ist mir ein Rätsel.

Das Interview führte Lukas Pohland.

Zur Petition geht es hier: https://weact.campact.de/petitions/manner-und-frauen-schaffen-gemeinsamen-erfolg-auch-in-bundesministerien-2

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