Trauma und Hoffnung – drei Menschen, drei Schicksale, drei Fluchten

Trauma und Hoffnung – drei Menschen, drei Schicksale, drei Fluchten

(v.l.) Fathya Alnahar aus Syrien im Gespräch mit Martina Horstendahl, Ensemble-Leiterin der Schwerter Mitte. Foto: Martina Horstendahl

Schwerte. Die Gesprächsrunde zeugt von Lebensgefahr mit gutem Ende in Schwerte: „Hier möchte ich die nächsten 50 Jahre bleiben.“

Drei Personen, drei Schicksale, drei Fluchten, die alle in Schwerte münden. Mit tief bewegenden Berichten haben drei Geflüchtete, die inzwischen eine Heimat in Schwerte gefunden haben, in einer offenen Gesprächsrunde auf Einladung der Bürgerstiftung Schwerter Mitte und des Arbeitskreises Asyl von ihren Erlebnissen berichtet.

Die Gründe der Flucht waren häusliche Gewalt, Krieg, drohende Gefahren durch politisches Andersdenken und Verfolgung durch Geheimdienste aufgrund politischer Aktivitäten gegen das Regime. So verschieden die Flucht-Gründe waren, so verschieden sind auch die Flucht-Berichte. Sie reichen von Schlägen, über Ausbeutung, gefährlicher Überquerung des Mittelmeeres im Schlauchboot, tagelangen Fußmärschen, Angst, Hunger, bis hin zu Transporten zusammengepfercht in Güter-Waggons und angekündigten Angriffen auf das eigene Leben.

Im Detail sind die Fluchtwege unterschiedlich, im Ergebnis der traumatischen Erfahrungen sind die Fluchten jedoch alle gleich. Sie werden in ihrem unermesslichen Grauen noch lange das Leben der Geflüchteten prägen.

Doch wurde auch Positives von einem „guten Ende“ der erzwungenen Reise erzählt: Die drei Geflüchteten sind in Schwerte sehr gut aufgenommen worden und werden vom Arbeitskreis Asyl in allen Belangen hilfreich unterstützt. „Wir haben hier viele neue Freunde gewonnen, so dass wir hier wieder glücklich werden können,“ war das einhellige Credo. Wobei aber nicht unerwähnt blieb, dass der Gedanke an die Lieben in den weiterhin gefährlichen Kriegsgebieten wie etwa in Syrien ohne Wasser und Strom auch sehr schmerze.

Alle drei Geflüchteten möchten in Schwerte bleiben. Sie fühlen sich hier wohl und behütet, wie sie den Besucher/-innen der Runde versicherten, die sich mit vielen Fragen teilnahmsvoll einbrachten. Fathya Alnahar, die als junge Frau die Flucht aus Syrien gewagt hatte, hat mit ihrem bereits zuvor geflüchteten Mann Mohammad in der Ruhrstadt eine Familie gegründet und wirkt tatkräftig als gewähltes Mitglied im Integrationsrat der Stadt mit. Die zwei kleinen Söhne sind gebürtige Schwerter. „Mein Mann hat einen guten Beruf und ich werde vielleicht noch einmal studieren. Wir sind super dankbar und froh. Hier möchte ich die nächsten 50 Jahre bleiben“, fasst Fathya Alnahar lächelnd zusammen.

Kashif Shahazad, heute 20 Jahre alt, ist bereits als 10-jähriger Junge allein aus Pakistan geflohen und stark traumatisiert. Doch auch sein Lebensweg wird nun in bessere Bahnen geleitet: Er wohnt seit Kurzem bei einem Schwerter Paar, dass sich tatkräftig um sein Wohl bemüht. Auch Kashif betont, dass er in den vergangenen fünf Jahren in Schwerte eine Heimat gefunden habe. Sein neues Zuhause wird dieses Gefühl noch verstärken.

Osama Alnaseef, ein junger Zahnmediziner, ist als politisch Verfolgter von Syrien aus in die Ukraine geflohen, wo er mehrere Jahre lebte. Von dort musste er dann nach Deutschland weiterziehen. Bevor er hier als Zahnarzt arbeiten darf, muss er u.a. noch Praxis-Erfahrung sammeln. Schwerter Zahnärzte, die bereit sind, ihn bei der Arbeit zuschauen zu lassen, werden gebeten, sich an den AK Asyl zu wenden. Auch Osama Alnaseef möchte in Schwerte bleiben: „Hier sind alle so freundlich und Schwerte ist ein sehr schöner Ort.“

Weitere Infos unter: www.schwerter-mitte.de.

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