Städtepartnerschaft: Bürgermeister und Gemeinderat der Bürgerkoalition von Nowy Sacz zeigen Verständnis

Städtepartnerschaft: Bürgermeister und Gemeinderat der Bürgerkoalition von Nowy Sacz zeigen Verständnis

Bürgermeister Dimitrios Axourgos, hier mit seiner Referentin Gabriele Stange, hatte zum 17. Mai 2020 ein Zeichen gesetzt. Foto: Ingo Rous/Stadt (Archiv)

Schwerte/Nowy Sacz. Der Bürgermeister von Nowy Sacz, Ludomir Handzel, hat die Protestnote von Schwertes Bürgermeister Dimitrios Axourgos „mit Bedauern zur Kenntnis genommen“, verstehe aber die Beendigung, weil er selbst gegen den Beschluss der PiS-Partei war. Der Bürgermeister von Nowy Sacz ist „peinlich berührt“ von der durch den Stadtrat verabschiedeten kommunalen Charta der Familienrechte.

Die regierende PiS-Partei in Polen stellt sich gegen Homosexuelle. Auch Schwertes Partnerstadt Nowy Sacz hat sich zu einer LGBT-freien Zone erklärt. Mit einer deutlichen Protestnote hatte Dimitrios Axourgos in einem Brief an seinen Amtskollegen Ludomir Handzel auf dieses Vorgehen reagiert und die 30-jährige Partnerschaft vorerst ausgesetzt.

Bürgermeister von Nowy Sacz verständnisvoll

Ludomir Handzel stellt sich in einem Brief an die Seite von Dimitrios Axourgos und erklärt, darauf hingewiesen zu haben, dass die Charta eine antichristliche und dem europäischen Gedanken fremde Weltanschauungen zeige. „Sie versucht Streit zwischen uns zu bringen, indem sie manche gesellschaftliche Gruppen nicht toleriert und sogar diskriminiert“, so Handzel. Das passe gar nicht zur geistigen Haltung von Nowy Sacz. „Ich habe die Hoffnung, dass europäische und christliche Werte zurück nach Nowy Sacz kommen, denn ich bin überzeugt, dass die Mehrheit der Bürger*innen unserer Stadt offene und tolerante Menschen sind, die andere Werte und jeden einzelnen Menschen schätzen.“

Die Gemeinderätin der PiS, Iwona Mularczyk, sagt wiederum, dass die Entscheidung einer  Aussetzung der Partnerschaft für sie nicht verständlich sei. „Das zeigt nur, dass die Partnerschaft lediglich einen theoretischen Charakter hatte.“

Bürgerkoalition von Nowy Sacz steht hinter Schwertes Entscheidung

Leszek Zegzda, Gemeinderat der Bürgerkoalition in Nowy Sacz, ist ganz anderer Meinung und war schon des Öfteren zu Besuch in Schwerte. Er betont, dass „der Beschluss zur Diskriminierung im Rat nicht einfach so beschlossen werden darf und man darüber debattieren muss.“

Außerdem könne er die Entscheidung von Dimitrios Axourgos verstehen, empfinde die Nachricht jedoch als schmerzlich. „Schwertes Entscheidung wundert mich überhaupt nicht. Ich verstehe, wieso sie den Beschluss so streng empfinden und die Beziehung zu Nowy Sacz abgebrochen haben. Zuallererst nehme ich die Entscheidung mit großem Schmerz und Enttäuschung entgegen, da ich vor 30 Jahren die Partnerschaft selbst ins Leben gerufen habe und sie in den Jahren tolle Früchte hervorgebracht hat. Das ist eine Zerstörung von etwas sehr Schönem. Zweitens sind die Deutschen empfindlich im Punkt Toleranz und haben ein ausgesprochenes Gefühl für Schuld, insbesondere in Bezug auf ihre Vergangenheit. Für Deutschland haben solche Ausprägungen von Klassifizierung und Diskriminierung ein Ausmaß von Trauma und historischer Schuld. Den Beschluss haben sie möglicherweise so aufgefasst, dass wir uns in eine ähnliche Richtung bewegen. Heutzutage ist der größte Wert, dass jeder Mensch jeden anderen bedingungslos gleich behandelt.“

Nicht die erste Aussetzung einer Städtepartnerschaft

Die Aussetzung der Partnerschaft mit Schwerte ist im Zusammenhang des Beschlusses der Anti-LGBT nicht der erste Fall in dieser Region in Polen. Ende Februar 2020 hatte die französische Stadt Lambres-Lez-Douai angekündigt, die Partnerschaft mit der Gemeinde Stary Sacz aufzulösen.

Ludomir Handzel versichert, sich um die Partnerschaft zu Schwerte zu bemühen und sie wieder aufzubauen. Er hofft, dass „die Entscheidung einigen städtischen Politikern und Aktivisten die Augen öffnet.“ Das würde eine baldige Rückkehr ermöglichen.

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