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Die traurige Geschichte des Alkohol-Diebes beim Kaufland in Schwerte

Die traurige Geschichte des Alkohol-Diebes  beim Kaufland in Schwerte

Daniel R. auf dem Weg zum beschleunigten Verfahren. Foto: Helmut Ullrich

Schwerte. Wir sehen Daniel R. (21), begleitet von zwei  Justizwachtmeistern, auf dem Weg zu seinem Richter. Der junge Mann mit trauriger Lebensgeschichte hat bei Kaufland in Schwerte acht Flaschen Alkohol gestohlen.

Noch bis Heiligabend bleibt er im Gefängnis.

Diese Klau-Geschichte sorgte in der Schwerter Lokalpresse für Beachtung. Auch MeinSchwerte  berichtete darüber: Beim Kaufland, Filiale „Am Dohrbaum“, hatte ein unehrlicher Kunde offenbar dreist zugegriffen und Alkohol für 280 Euro eingesteckt. Das war am Freitag, 22. November. Wir informieren jetzt, was  dahinter steckt und wie es danach weiter ging.

Daniel war gegen 15.30 Uhr von einem Detektiv beobachtet worden, als er zwischen den Verkaufsregalen insgesamt acht 0,7-Liter-Flaschen in seinem Rucksack verschwinden ließ: Sechs Flaschen Gin (Marke Hendricks) und zwei Flaschen Rum (Marke Botucal), Gesamtverkaufswert gut 280 Euro. Weil sich der Dieb nicht ausweisen konnte, rief der Detektiv die Polizei. Die Beamten nahmen Daniel fest und führten ihn der Haftrichterin in Hagen vor.

Untersuchungshaft wurde angeordnet und ein beschleunigtes Verfahren eingeleitet. Die Verhandlung fand jetzt vor Amtsrichter Paulo da Costa-Pereira statt. Dort kam durch Befragen heraus: Daniel R. hat keine Adresse und keinen Ausweis. Seit Jahren tingelt er ohne festen Wohnsitz zwischen Dortmund und Bochum. Er schläft mal hier, mal dort. Oft auch einfach nur draußen. Einkünfte? „Ich lebe von nichts.“ Der Richter fragt ungläubig: „Auch nicht vom Jobcenter?“ Der angeklagte Mann schluckt: „Nein. Ich stehe unter Betreuung und darf kein Formular selbst unterschreiben.  Meinen Betreuer habe ich schon seit einem Jahr nicht gesehen. Er soll umgezogen sein.“

Auf dem Einweisungsbogen der Justizvollzugsanstalt ist „süchtig“ vermerkt. „Was nehmen Sie denn?“, will der Richter wissen. „Nur Cannabis“, entschuldigt sich Daniel R. und erklärt dann, dass er unter Rechtschreibschwäche und Konzentrationsschwierigkeiten leide: „Ich kann mit Mühe und Not eine halbe Seite schreiben.“ Seit seinem fünften Lebensjahr hätte er in Wohngruppen gelebt, später sei bei seiner Mutter gemeldet gewesen, unter der Anschrift einer Drogenberatungsstelle in Dortmund. Wenn er wieder auf freien Fuß käme, würde er bei seinem Bruder Viktor einziehen wollen.

Von den im Kaufland gestohlenen Spirituosen hätte er sich „etwas zu essen“ kaufen wollen, sagt er. Die Flaschen wollte er an Bekannte verkaufen, sie hätten ihn „um einhundert Euro“ eingebracht. „Klauen Sie öfter?“, fragt die Staatsanwältin ganz direkt und blättert in ihrer Akte. Antwort: „Nur wenn ich muss. Ich habe keine andere  Wahl.“ Müssen muss er wohl öfter. Bei verschiedenen Anklagebehörden laufen noch fünf Ermittlungsverfahren. Alle Vorwürfe lauten auf Diebstahl.

Im Kaufland-Fall aus Schwerte fällt das Urteil noch sehr milde aus: Vier  Monate Gefängnis, ausgesetzt zur Bewährung. Daniel R. soll außerdem 150 Stunden soziale Arbeit ableisten. Aber zunächst geht es zurück ins  Gefängnis. Der junge Obdachlose hat eine Geldstrafe vom Amtsgericht  Herne-Wanne offen: 250 Euro, die er nicht aufbringen kann. Deshalb muss  er jetzt noch 25 Tage absitzen. Er hatte in einem Supermarkt sechs Bananen gestohlen.

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