​Der Überfall auf Netto und eine stinkende Geschichte

​Der Überfall auf Netto und eine stinkende Geschichte

Schwerte – Der Überfall auf den Netto-Markt in Geisecke: Jetzt kommt auf die Richter eine Geschichte zu, die im wahrsten Sinn des Wortes stinkt! Es geht um ekelige Hundehaufen.

Zur Erinnerung: Das Landgericht Hagen verhandelt derzeit den Vorwurf des schweren Raubes. Angeklagt sind zwei Männer, die im Dezember 2018 einen Netto-Supermarkt in Iserlohn ausgeraubt haben. Diesen Überfall haben beide zugegeben.

Doch Angeklagter Ferdinand L. (24) soll auch beim Überfall auf die Netto-Filiale in Geisecke, zwei Monate zuvor, beteiligt gewesen sein. MeinSchwerte berichtete: Zwei Räuber mit Sturmmasken, Handschuhen und in dunklen Trainingsanzügen hatten am 5. Oktober, kurz vor Feierabend (20.59 Uhr), den Supermarkt gestürmt. Sie bedrohten mit einer Pistole und einem Messer drei Mitarbeiter, flüchteten schließlich mit 4.540 Euro Beute vom Tatort. Zurück blieben die geschockten und psychisch schwer angeschlagenen Netto-Angestellten.

1600 Euro liegen auf dem Hundeweg

Strafverteidiger Hans-Peter Maas (Dortmund). Foto: Helmut Ullrich

Hatte einer der beiden Räuber Insiderwissen? Sollte Ferdinand L., der alkohol- und drogenabhängig ist, auch an dem Geisecker Netto-Überfall beteiligt gewesen sein, sitzt damit ein ehemaliger Netto-Kollege auf der Anklagebank. Doch er schweigt beharrlich zu diesem Raub. Ein Indiz soll ihn nun überführen: Die Reste von schwarzen Gummihandschuhen, gefunden in einem Gebüsch in direkter Tatortnähe, mit verhängnisvollen DNA-Spuren.

Eine Stunde nach dem Überfall, um 22.10 Uhr, hatte sich ein Passant auf der Polizeiwache in Schwerte gemeldet: Auf einem Hundeweg in Geisecke, südlich von Netto, würden zahlreiche Geldscheine und Münzen verstreut herumliegen. Die Beamten waren sofort zur Stelle und sammelten 1600 Euro aus der Raub-Beute auf. Einen Meter entfernt, in einem Gebüsch versteckt, entdeckten sie noch “Reste von schwarzen Latex-Handschuhen”, die sie auch mitnahmen. Die Untersuchung im Kriminallabor ergab: Die DNA von Ferdinand L. befand sich daran.

Häufchen mit Gummihandschuhen aufgehoben?

Für Verteidiger Hans-Peter Maas ist diese Beweislage dennoch nicht eindeutig. Er hat eine Erklärung dafür, wie die Reste von Gummihandschuhen unweit der Beute ins Gebüsch kamen: “Die Eltern des Angeklagten wohnen in direkter Nähe. Sie haben einen Hund, den Ferdinand öfter Gassi führt. Die Häufchen hebt er dann immer artig auf, mit Gummihandschuhen. Doch weil es stinkt und er sich davor ekelt, hat mein Mandant die Einweghandschuhe dort ins Gebüsch entsorgt.”

Eine Geschichte, der die Kammer unter Vorsitz von Richter Bernhard Kuchler vielleicht ernsthaft nachgehen muss, falls noch ein entsprechender Beweisantrag gestellt wird. Der nächste Verhandlungstag ist am kommenden Montag. Bereits am Tag darauf (Dienstag, 18. Juni) hat das Gericht die Urteilsverkündung geplant.

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