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Tankstellenüberfall: Angeklagter gesteht die Tat

Tankstellenüberfall: Angeklagter gesteht die Tat

Schwerte/Hagen – „Hansi“ (48) hat ein Geständnis abgelegt. Am zweiten Verhandlungstag vor dem Landgericht Hagen (Dienstag, 17. April 2018) hat er den Raubüberfall auf die Esso-Tankstelle am Holzener Weg vom 9. Oktober 2017 zugegeben und erklärt, wie es dazu kam. Auch die überfallene Tankstellen-Kassiererin (57) sagte als Zeugin aus.

Der korpulente Angeklagte mit dem Irokesenschnitt berichtete ausführlich, dass er bereits drei Tage vor der Tat die Kontrolle über sein Leben verloren habe. Er kam nicht mehr in seine Wohnung in Schwerte hinein, denn der Schlüssel war ihm in der Wohnungstür abgebrochen. Also verbrachte er die Tage und Nächte von Freitag bis Montag in Hagener Kneipen. Mit Alkohol, Kokain und anderen Drogen will er sich regelrecht zugepumpt haben.

Am Montagmorgen schließlich hätte er seine Wohnungstür aufgebrochen. Total nervös und aufgewühlt sei er in den eigenen vier Wänden hin- und hergelaufen. Panikattacken und „Zittern am ganzen Körper“ hätten ihn gequält und als er die letzten Beruhigungspillen, die er noch in der Wohnung finden konnte, eingenommen hatte, sei es erst richtig losgegangen: Krampfanfälle, höllische Schmerzen und eine innere Stimme, die ihm befahl: „Besorg‘ Dir Geld.“

Mit dem Fahrrad ist er dann Richtung Bahnhof gefahren. Zweimal sei er unterwegs vom Rad gefallen, so schlecht ging es ihm. Ein 31-Zentimeter langes Küchenmesser („wo man Tomaten mit schneidet“) steckte hinten im Hosenbund, eine mitgenommene Motorradhaube wollte er sich erst direkt am Tatort überziehen. „Dann bin ich in die Tankstelle rein und habe leider Gottes diese Frau überfallen.“

Holzener Weg, 18.31 Uhr. Durchs Fenster sieht die Tankstellen-Kassiererin (57) bereits den maskierten Mann kommen. Noch bevor er den Verkaufsraum betritt, löst sie Alarm aus. Der Räuber stürmt herein, läuft hinter ihre Theke und hält ihr das Messer vor. „Er hat verzerrt, irgendwie abgehackt gesprochen“, erinnert sich sich und: „Ich habe auch eine deutliche Alkoholfahne bemerkt.“ 430 Euro Bargeld erbeutet der Räuber, bis er drei Minuten später vor der Tankstelle von mutigen Zeugen überwältigt und festgehalten werden kann. Für die Kassiererin, die von der Tat bis heute sichtlich beeindruckt ist, war es bereits der zweite Raubüberfall. Was sie in diesem Fall besonders geärgert hat: „Das er mir später einen Entschuldigungsbrief geschrieben hat, der bei mir zu Hause ankam. Woher kennt der meine Privatadresse?“, wundert sie sich.

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